Unsere „Buddy-Geschichte“

Das Buddy-Projekt gibt es schon lange an unserer Montessori-Schule – genauer gesagt in organisierter Form seit Anfang der neunziger Jahre: Zu Beginn als SV-Job und ab dem Schuljahr 98/99 als zusätzliche SV-Arbeitsgemeinschaft.

Als wir damals mit der AG begannen, hatte das Kind jedoch noch einen anderen Namen: Die „Anticrash-Gruppe“ traf sich regelmäßig und sorgte mit ihrem Einsatz auf dem Schulhof und in der Schule für ein friedlicheres Zusammenleben. Gab es Prügeleien auf dem Schulhof, Mobbing oder Streit mit Mitschülern oder Lehrern – die AntiCrash-AG war zur Stelle… Unsere Theatertrainings zusammen mit den Schauspielprofis vom „Theatertill“ rund um das Thema „Gewalt“ stießen damals sowohl bei Schülern als auch in der Presse auf großes Interesse („Wie man das Drehbuch des Täters verändern kann“).

Ende des 20. Jahrhunderts :  Wir werden entdeckt :-)

Durch unsere Aktionen und schon damalige Presse-Bekanntheit, wurde schließlich das Buddy-Projekt für Straßenkinder (unterstützt von der Öffentlichkeits- und Social-Sponsoring-Abteilung von Vodafone, damals noch Mannesmann-D2), sowie die von Mannesmann beauftragte Agentur „Horizont8“ auf unsere Schule und Projekte aufmerksam.

Der Projektleiter Winfried Kneip lud unsere Gruppe ein, bei dem im Jahr 2000 stattfindenden Buddy-Wettbewerb „Ein Auftrag für Buddys“ teilzunehmen, was wir gerne annahmen. Unser Beitrag – ein selbstgedrehter Videofilm „Marco“ ( siehe hier ) – stieß bei der Jury auf große Anerkennung und erzielte den zweiten Platz im bundesweiten Wettbewerb. Als wir den Film allen 500 Schülern in der Aula zeigten – bei dem es darum geht, dass eine Buddygruppe einen von zuhause abgehauenen Schüler wieder zurückholt – war unsere Anticrash-Gruppe nun bei allen Schülern als Buddy-Gruppe bekannt. So beschlossen wir unsere SV-AG umzubenennen.

Schüler und Lehrer als Agentur-Berater

Schon während der Dreharbeiten zum Film „Marco“ wurde der Agentur „Horizont8“ langsam aber sicher klar, dass unser Projekt eine ideale Ergänzung des Straßenkinderprojekts sein könnte – und lud Lehrer und Schüler unserer Initiative als Berater zu Projekt-Entwicklungsgesprächen in die Agentur ein. Unsere Hinweise, dass das Buddysein mehr bedeutet als nur eine soziale Arbeitsgruppe, die sich darum kümmert, dass Kinder nicht auf der Straße landen, stießen auf großes Interesse. Schon viel früher und kontinuierlich im Schulalltag müsse alles dafür getan werden, dass jeder Schüler seinen Platz in der Klassengemeinschaft findet – meinten wir – und berichteten von unserer Montessori-Schule und der Gemeinschafts-Lernidee, dass Schüler sich untereinander helfen und jeder nach seinen Möglichkeiten seinen Platz in der Schule finden kann.

In der Freiarbeit und in der Klassenrats-Arbeit sowie in der Arbeit der Schülervertretung und deren AG’s, bekommt jeder Schüler die Chance für soziales Training, Teamfähigkeit und echte demokratische Mitwirkung. So hat jeder seinen Platz in der Schule und wir hoffen, dass es erst gar nicht zu großen Crashs kommt – wie etwa, dass ein Schüler von zuhause abhaut.

Uppss… wir sind ja ein Modell-Projekt – oder wie Sponsor Vodofone „mehr Demokratie wagen“ lässt

Unsere Ideen und Vorschläge nach mehr Demokratie durch echte Schüler-Mitwirkung und Gestaltung des Schulalltags sowie die Vorstellung, dass Buddy als Prinzip wirkt, als Lebenseinstellung, als persönliche Haltung mit „viel Gefühl“ für Gemeinschaft, wurden erst zögernd, dann aber doch immer mehr aufgenommen. Das Zögern ist verständlich, schließlich setzt diese Idee Maßstäbe auch für das eigene ethische Handeln als Unternehmen, Agentur, in Wirtschaft und Politik :-). Es ging praktisch weiter: Ein von Vodafone finanziertes Filmteam wurde an unsere Schule geschickt und dokumentierte unsere Arbeit. Entstanden ist hierbei der im offiziellen Buddy-Medienpaket enthaltene Film „Buddys-Wanted“, der ausschließlich – mit Ausnahme zweier Statements von Vodafone-Projektleiter Winfried Kneip – aus authentischen Berichten der Schüler und Lehrer unserer Schule besteht. Der Film wird seit dem mit dem Buddy-Medienpaket an interessierte Schulen ausgegeben und soll, gemeinsam mit den Lehrer- und Schüler-Heften, anderen Schulen den Einstieg in die Buddy-Arbeit erleichtern. Auch bei den Lehr-Heften war unsere Schule wieder beteiligt – als Buddy-Lehrer wirkte ich als Co-Autor des Buddy-Projektes und des Buddy-Info-Ordners mit. Viele Fotos unserer Schüler dokumentieren darin zusätzlich unsere Arbeit.

Wenn es darum ging, das neue Buddyprojekt zu präsentieren, schickte nun Vodafone und seine Agenturen die interessierten Journalisten an unsere Schule. So wurden wir eine Modellschule in Sachen Buddy. Pressevertreter und Fernseh-Teams reichten sich bei uns die Klinke in die Hand: Von BRAVO-TV, über die Welt, die Westdeutsche Zeitung bis hin zum WDR und viele mehr, alle sie waren lernfreudige Gäste und berichteten ausführlich über unser Modell-Projekt. Mittlerweile machen wir wieder eigene Pressearbeit. Die Süddeutsche Zeitung berichtete kürzlich und erst vor wenigen Tagen drehte z.B. das Hessen-Fernsehen zwei Tage eine Dokumentation über unsere Buddyarbeit …

Was wir Montessori verdanken

Beim Verfassen unserer Buddy-Geschichte wurde uns übrigens verstärkt deutlich, wie wichtig es ist, dass wir eine Schule sind, die sich an einer gemeinsamen Idee orientiert, kurzum, wie viel wir der Montessori-Arbeit an unserer Hauptschule verdanken. Unsere nachhaltigen Erfolge in der Buddygruppe begründen sich gerade auch durch unsere gute Schulatmosphäre, die erst kürzlich durch eine umfassende Evaluation der Uni Potsdam beeindruckend bestätigt wurde. Die kontinuierliche Freiarbeit und die Zeit für Projekte, die viel Gestaltungsräume für Talente und Entdecker ermöglichen, die Klassenräte als Aussprachegemeinschaften, das Soziale Training der 5. und 6.Klassen, Gruppenangebote und Schülerpausensport unterstützt durch die Schulsozialarbeit, die Anti-Drogenwochen, unsere vielen Sportaktivitäten usw. tragen entscheidend zum „Wir-Gefühl“ an unserer Montessori-Hauptschule bei. Die pädagogischen Grundlagen Maria Montessoris und die Grundlagen des Buddy-Prinzips ergänzen sich ideal – und sind eigentlich nur verschiedene Namen für die gleiche Idee und Lebenseinstellung von der Selbstverwirklichung in der Gemeinschaft.

Buddy bedeutet, auch kräftig mitzumischen

Unsere heutige Buddyarbeit an unserer Montessorischule – für modernes, soziales und gemeinschaftliches Lernen in der Schule, geprägt durch umfassende organisierte Hilfe der Schüler untereinander und echte Mitwirkungsmöglichkeiten im Unterricht und Schulleben – schafft die geeigneten Voraussetzungen dafür, dass Schüler die Schule auch als ihre Schule annehmen: Als Ort des gemeinsamen Lernens und Lebens! Durch unsere praktischen Beispiele zeigen wir, dass das Buddyprojekt mehr als ein Straßenkinderprojekt ist. Unsere Monti-Buddyarbeit ist zum einen eine gute Vorbeugung für soziale Abstürze. Durch unsere praktische Arbeit zeigen wir darüber hinaus, dass eine gute Schulgemeinschaft, die Montessori- und Buddyideen umsetzt, Bedingungen dafür schaffen kann, dass Kinder und Jugendliche stark und unabhängig werden, dass sie so eher das lebenswichtige Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl (er)leben können. Insofern ist unsere Monti-Buddyarbeit auch ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Ermutigung, sich persönlich in seinem Umfeld zu engagieren. Das Bewusstsein der eigenen Wirkungsmöglichkeiten erhöht bei den Schülern die Bereitschaft, die Zukunft aktiv und verantwortlich mitzugestalten. Es ist so auch ein hervorragendes Training zur Förderung des Demokratieverständnisses. Unsere Montessori-Hauptschule zeigt in der folgerichtigen Weiterentwicklung des Buddy-Gedankens – vom Projekt hin zum gelebten Buddy-Prinzip – neue Chancen für die Einheit von Lernen und Leben in der Schule auf und in diesem Sinne werden wir weiter an der Schulentwicklung „mitmischen“!

von Bernd Kowol,  Freitag, 28.05.2004


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